Montag, 21. Januar 2008




So richtig geschlafen haben wir beide nicht im Flugzeug, was aber eher an Flugzeugen an sich, als an South African Airways lag, der Service war bis zur Landung wirklich in Ordnung! South African Airways bekommt eine dicke Empfehlung von uns! Nach 11 Stunden und 15 Minuten Flugzeit erreichten wir schließlich sogar noch 50 Minuten früher als geplant Kapstadt. Um 5:00 Uhr Ortszeit war es noch sehr dunkel, so dass wir den Tafelberg leider noch nicht aus dem Flugzeug heraus sehen konnten. Mit Hilfe der Live-Kameraübertragung auf unsere Bildschirme können wir jedoch überprüfen, dass der Pilot die Landebahn gut getroffen hat.
Der Einreisevorgang war unproblematisch, die Koffer rollten schon munter auf dem Band, als wir in die Gepäckhalle kamen. Joachims Tasche kam sofort, meine ließ etwas auf sich warten, war aber ebenfalls unversehrt eingetroffen. Erste Hürde geschafft!
Der Kapstädter Flughafen ist viel kleiner als ich dachte, in der Eingangshalle nur ein einziger Geldautomat, direkt neben der großen Ausgangstür. Ob das wohl sicher ist?? Na ja Geld braucht man und hat schließlich dann ja auch geklappt. Joachims Arbeitskollege hatte uns den wertvollen Tipp gegeben, dass wir am Flughafen gleich einen Europa-Südafrika-Stromstecker-Adapter kaufen. Wir besitzen zwar zuhause ein wahres Sammelsurium an diversen Adaptern, aber Südafrika hat ein ganz eigentümliches Format: Drei dicke runde Pins, das konnte selbst unser "Universaladapter" nicht liefern, die Elektrogeschäfte in Deutschland übrigens auch nicht.
Der nächste Weg führte uns dann zu einem Laden von Vodaphone, wo sich bereits eine ordentliche Schlange gebildet hatte. Hier kann man für 60 Cent / Tag eine Sim-Karte mieten, die zu vernünftigen Preisen das Telefonieren in Südafrika ermöglicht. Angerufen werden kann man dann natürlich auch! Ein Angebot, dass anscheinend viele Reisende anspricht. Mit meinem nun "südafrikanischem" Handy machen wir uns auf den Weg zu dem Schalter der Hertz-Autovermietung. Nach vielen schlechten Erfahrungen mit Mietwagenfirmen in den USA, wo stets endlose Verkaufsgespräche zu absolvieren sind, bevor man hoffentlich endlich seinen Wagen erhält, gestaltete sich heute alles herrlich einfach. Die Papiere waren bereits auf meinen Namen im Vorfeld vorbereitet worden, so dass neben einer Kopie unserer Päße und Führerscheine und einer Unterschrift alles (ohne Diskussioinen) innerhalb weniger Minuten abgehandelt war. Ein Angestellter geleitete uns aus dem Flughafengebäude zum Hertz-Parkplatz, ein kurzer Sparziergang entlang einer riesigen Baustelle. "Alles für die Fußball-WM 2010!" erzählte er uns stolz und zeigte danach noch auf den Tafelberg, noch stolzer. Kapstadt sei eine tolle Stadt - wir werden es herausfinden... Jedoch nicht heute, denn für heute steht erst einmal Stellenbosch und die Weinregion auf dem Plan.
Bei Hertz auf dem Parkplatz wartete dann auch schon ein Toyota "Yaris" auf uns, der zunächst mit einem weiteren Angestellten penibelst auf Schäden untersucht werden sollte. Wir gaben uns alle Mühe und lokalisierten auch kleinste Defekte, über die man sich in Deutschland wahrscheinlich keinerlei Gedanken machen würde. Nach Aushändigung des Protokolls begibt sich Joachim hinter das Steuer, es liegt auf der rechten Autoseite, klar in Südafrika ist Linksverkehr. Ein komisches Gefühl.
Joachim schlägt sich tapfer, ich sage ständig "links, links, links..." und nach kürzester Zeit sind wir auf der Autobahn, wo es eigentlich überhaupt nicht mehr auffällt, dass wir auf der ungewohnten Seite fahren müssen.
Mittlerweile ist es 7:00 morgens und auf dem Standstreifen sind massenhaft Leute zu Fuß unterwegs, ein ungewöhnlicher Anblick. Wir lassen Kapstadt zurück und durchgqueren auf der Autobahn zunächst ein Township ("Cape Flats"). Auch wenn man im Vorhinein schon einiges hiervon gelesen hat, der reale Anblick ist schockierend.
Stellenbosch, die zweitälteste Stadt in Südafrika, liegt nur gut 30km entfernt und wir erreichen schnell unsere Unterkunft (-> Bonne Esperance Guest House).

Guesthouse Bonne Esperance
Unsere Unterkunft ist ein niedliches Häuschen im viktorianischen Stil


Unsere Koffer werden zunächst eingelagert und wir gehen zu Fuß in das nahe gelegene Stadtzentrum und dort in ein Cafe, welches uns die nette junge Dame am Empfang für unser erstes südafrikanisches Frühstück empfohlen hatte. Wir genehmigen uns ein Sandwich und ein Wrap, ein Latte Macchiato, zwei Wasser und noch einen weiteren Kaffee und genießen die bereits sehr angenehmen Temperaturen von bestimmt  25-30°C. Danach bummeln wir noch ein wenig weiter durch die Innenstadt, hier gibt es in der Tat sehr nette individuelle Geschäfte unter schattigen Eichenbäumen und liebevoll gestaltete Restaurants und Cafes.


Impressionen aus Stellenbosch
Impressionen aus Stellenbosch: Kleine Straßen, schattig unter vielen alten Eichenbäumen gelegen. Links "Cafe Creme", hier haben wir schön gefrühstückt, rechts ein Restaurant, welches wir heute abend aufsuchen wollen ("Weinhuijs").


Schnell ist es Mittag und wir beziehen unser mittlerweile geräumtes Zimmer, was unsere Erwartungen mehr als erfüllt: Sehr liebevoll eingerichtet, wir haben eine kleine Terrasse und direkt davor einen kleinen Schwimming Pool. Da kommt wirklich sofort Urlaubsstimmung auf!

Für morgen haben wir eine Tour durch die vielen Weingüter der Region geplant und beschließen daher heute nachmittag als "Kontrastprogramm" eine Tour durch eine Brandy-Distillerie zu machen. Die Van Ryn - Brandy Cellar bieten in der Nähe von Stellenbosch Führungen durch Ihre Keller an. Als wir zum Auto gehen ist es sehr sehr heiß, weit über 30°C und die Dame an der Rezeption bestätigt, dass dies für die Kapstädter Gegend  eine sehr ungewöhnlich Hitzeperiode ist. Und wir gehen zu einer Schnapsbrennerei, na ja.
Der Weg zur Kelterei ist nicht so einfach zu finden, wir fahren über eine Sandpiste an einer Weide mit vielen Straußen und Zebras vorbei, als endlich das Betriebsgebäude in Sicht kommt. Auf dem Parkplatz gähnende Leere. Als wir den Verkaufsraum betreten sind wir angesichts der Größe und der edelen Möbilierung sehr überrascht. So könnte ein Schloß von innen aussehen, alles ist wie aus dem Ei gepellt.

Van Ryn Brandy Company
Die Van Ryn Brandy Cellar

Man drückt uns einen Brandy-Cocktail in die Hand und wir setzten uns in eine überdimensionierte Sitzgruppe und warten auf die Führung. Kurz vor Beginn der Führung kommen noch zwei weitere südafrikanische Päarchen vorbei und zu sechst betreten wir die Brennerei unter der fachkundigen Führung von "Helmut". Die Tour durch die Brennerei ist sehr gut organisiert und informativ. Wir erfahren, dass Brandy aus Weißweinen der Rebsorten Chenin Blanc und Colombard gewonnen wird, die die Firma zwar nicht selbst anbaut, aber den Wein aus Südafrika einkauft, in einer Menge von über 6 Millionen Liter pro Jahr! Der Wein wird anschließend zweimal destilliert und kommt dann für bis zu 20 Jahren in Fässer aus französischer Eiche. Die Fässer werden in der Kellnerei selbst erstellt und wir dürfen den Prozeß in Zeitraffer miterleben, was viel spannender war, als ich mir es vorher vorgestellt hatte, da die Hölzer sehr genau zurechtgeschnitten, seitlich exakt angeschrägt werden müssen und die Nähte zur besseren Abdichtung noch mit Papyruseinlagen versehen werden.

Eichenholzfässer
Jedes dieser Eichenholzfässer faßt später 300 Liter Brandy, der dann bis zu 20 Jahre darin lagert.

Höhepunkt der Tour war der Gang durch die Lagerhalle der Fäßer. Der Geruch hier war gigantisch, jedes Jahr verdunstet 3% des Brandys aus den Holzbehältern und das riecht man! Mit offener Flamme würde ich den Keller lieber nicht betreten...Am Ende der Führung durfen wir dann alle in einem schönen Tasting-Room noch von dem 12-, 15- und 20 Jahre altem Brandy probieren und bekamen dazu einen Kaffee und verschiedene Schokoladen serviert, was erstaunlich gut harmonierte. Auf Wunsch der Damen gab es zum Abschluß noch ein Bailey´s-ähnliches Sahne-Brandy-Getränk, was sofort auch mein Favorit wurde. Die Führung heute fanden wir beide sehr interessant, so dass wir wirklich sehr gespannt sind, wie sich morgen die Weingüter präsentieren.
Abends waren wir in einem sehr schönen Lokal ("Wijnhuis"), eine Empfehlung der Dame aus unserem Guest House, die auch die Platzreservierung vorgenommen hatte. Wir haben dann auch tatsächlich einen wunderschönen Platz bekommen und haben sehr lecker gegessen. Eine kleine Herausforderung war die Weinkarte mit über 350 Flaschen Wein, die wir aber schließlich doch gemeistert haben (Sauvignon Blanc, 2006 vom Weingut Deloire, sehr gut). Gut, dass wir zu Fuß zum Guest House gehen konnten. Nach der etwas kurzen Nacht im Flieger werden wir nun gut schlafen.
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