Samstag, 02. Februar 2008





Der Wecker klingelt heute schon um 4:00 Uhr und das Aufstehen fällt schwer, zumal es draußen noch dunkel ist. Es ist auch noch dunkel, als wir die Rezeption erreichen, wo sich dieses Mal nur eine handvoll Touristen eingefunden hat, um am frühen Morgen auf Tiersuche zu gehen. Tja, sobald es unbequem wird...

Wir werden "Grace" zugeteilt und zusammen mit einem Ehepaar aus Großbritanien und dem deutschen Ehepaar von gestern abend geht es pünktlich los. Und wir sind mal wieder glücklich: Bereits nach wenigen Minuten sehen wir in der zügig aufgehenden Sonne an einem ausgetrockneten Wasserloch ein Streifengnu und einige Zebras; die Kulisse könnte schöner nicht sein: Über einer Bilderbuch-Landschaft geht langsam die Sonne auf. Das frühe Aufstehen hat sich definitiv gelohnt! Schnell wird es heller und der Mann aus Großbritanien erspäht in einer Kuhle ein Nilpferd, welches mit seinem jungen Nachwuchs dort schläft.

Morgendämmerung im Hluhluwe-Park

Zebra und Breitmaulnashorn
Vegetarier unter sich


Wir setzen die Fahrt fort und treffen auf einer Schotterstraße auf eine kleine Gruppe von zwei ausgewachsenen Hyänen, die mit einem ca. 8 Monate alten Baby unterwegs sind. Während die Alten völlig unbeirrt von unserem Fahrzeug ihren Weg langsam fortsetzen, ist das Junge sichtlich aufgeregt und anstelle seinen Artgenossen zu folgen, biegt es ständig in das seitliche Unterholz ab und bleibt zurück. Die beiden anderen Hyänen drehen sich um und warten, biegen aber schließlich selbst ins Dickicht ab. Dies bemerkt das Junge nicht und rennt auf einmal los, weil es die beiden wohl hinter einer Straßenkuppe vermutet. Die beiden anderen Hyänen kommen nach einiger Zeit auf die Straße zurück und schauen ebenfalls verwundert. Ich hoffe, dass sie sie sich finden und tatsächlich: nach sehr langer Zeit kehrt das Kleine zurück und stößt laute Klagelaute aus als es die beiden anderen Hyänen sieht. Als sie nun alle drei gemeinsam im Dickicht verschwinden sind wir richtig erleichtert, schließlich wollen wir ja keine Gruppe auseinanderbringen....


Hyänen im Hluhluwe-Park
Hyänen auf der Piste: Links die beiden Erwachsenen, rechts das sichtlich unsichere Jungtier (niedlich)

Hyänen scheinen einen schlechten Ruf zu haben, wir konnten sie ja nun längere Zeit beobachten und feststellen, dass sie über ein enges soziales Miteinander und ein hübsches Gesicht verfügen. Eine quirlige Paviangruppe sorgt für Heiterkeit einige Straßenkurven weiter. Im Gegensatz zu vielen Affen, die gefüttert wurden, sind diese an uns überhaupt nicht interessiert.


Pavian und männlicher Nyala im Hluhluwe-Park 
Alle nützen die Straße als Gehweg: Pavian und Nyalabulle (hat Hörner und ein viel bunteres Haarkleid als sein weibliches Pendant)


Anschließend sehen wir eine Gruppe von drei grasenden Nashörnern und einen kuriosen Käfer, den "Dung-beetle", der die Ausscheidungen von Nilpferden, Elefanten und anderen Tieren verwertet, in dem er sie zunächst zu - im Verhältnis zu seiner Körpergröße - riesigen Kugeln formt, die er dann in seinen Bau rollt. Was es nicht alles gibt...

Dung-beetle
Alles wird verwertet: Ein Dung-beetle bei der Arbeit

Nach einem schönen Frühstück vom Buffet machen wir uns am späten Vormittag noch einmal selbst auf eine Autopirsch. Nachdem wir zunächst überhaupt keine Tiere sehen und Joachim schon sehr pessimistisch sind, so sehen wir dann doch noch viele Tiere, hier unsere "Highlights":

Blue Wildebeest
Zu erwähnen ist, dass es sich hier um das gleiche Streifengnu handelt, welches wir von heute morgen an absolut unveränderter Stelle wiederfinden

Büffelbulle
Büffelbulle

Nyala-Männchen
Die männlichen Nyala-Antilopen sind farbenprächtig und elegant

Nach einem Kaffee auf unserem schönen Balkon fahren wir abends erneut mit Grace auf eine Pirschfahrt. Der Andrang ist deutlich größer als am Morgen und es strömen einige Fahrzeuge aus.

Gamedrive im Hluhluwe-Park
In so einer Landschaft macht das Suchen nach Tieren Spaß


Mit uns fährt eine vierköpfige deutsche Familie (ja, man spricht auch hier überall deutsch....neben den englischen Touristen, sind die Deutschen gut vertreten) Da aus dem Südteil des Parks keine Tiersichtungen bekannt wurden, fahren wir mit der Gruppe wie am Morgen in den nördlichen Parkteil, den auch wir vorhin für eine Fahrt gewählt hatten. Dabei begegnen wir heute zum dritten Mal (!) dem gleichen Streifengnu, welches weiterhin an identischer Stelle unter dem schönen afrikanischen Baum verharrt. Hollywood hätte es nicht schöner arrangieren können, so malerisch fügt es sich in die Landschaft. Wir erfahren, dass es sich um ein männliches Tier handelt, dass sein Territorium verteidigt in dem es "wacht", dass kein Konkurrent ihm dieses Revier streitig macht, denn wer das schönste hat, bekommt die meisten Weibchen. Good Luck!

Danach folgt das große Highlight des Abends. In einem kleinen Wäldchen hören wir ein Krachen und Poltern, eine Gruppe von Elefanten bahnt sich einen Weg und nimmt dabei Nahrung auf. Da ein erwachsener Elefant am Tag 300kg Grünfutter zu sich nimmt, müssen da so einige Sträuche und Bäume dran glauben.

Elefant im Hluhluwe-Park

Elefant im Hluhluwe-Park
Wo ein Elefant frisst, bleibt kein Baum heil, wir haben es gesehen!

Ab und zu betritt ein Elefant die Straße und sondiert die Lage, vor uns hat noch eine andere Gruppe und ein PKW geparkt. Die Elefanten nähern sich uns und wir sehen, mit welcher Kraft so ein Baum zerlegt wird, mühelos werden ganze Äste abgebrochen. Da die Gruppe auch ein Jungtier in Ihrer Mitte hat, werden wir kritisch beäugt und als der Leitelefant unruhig wird, fahren wir zügig weiter.
 
Eine riesige Herde Büffel und einige Nashörner haben sich am Flußufer zum gemeinsamen Grasen eingefunden und in der Ferne sehen wir eine Herde von Giraffen. Die Abendstimmung ist wie immer herrlich und bringt die traumhafte Landschaft wunderbar zur Geltung.

Landschaft und grasende Rhinos im Hluhluwe-Park
(Man beachte, was für ein langes Horn das vordere Nashorn hat...)


Die deutsche Familie erzählt uns, dass sie auch gerne Hyänen gesehen hätten, als wir von unseren Erlebnissen am Vormittag berichten, und so freut es mich besonders, als der junge Mann schließlich in der Dunkelheit eine Hyäne entdeckt und sie sich alle riesig freuen. Das Abendessen ist bewährt gut und wir fallen müde ins Bett, morgen werden wir eine weite Autofahrt vor uns haben bis nach Nelspruit.


...und als kleine Gedächtnisstütze für uns: Tiere, die wir heute gesehen haben...

Streifengnu; Zebras; viele, viele Nashörner; weibliche und männliche Nyalas, Impalas, Giraffen, Elefanten, Nester eines in einem Baum Leich ablegenden Frosches, Schrei des Trumpeter Hornbills (klingt wie ein weinendes Baby), Büffel; Hyänen, Dung-beetle
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