Dienstag, 01.07.2008

~~ San Francisco, Napa Valley ~~

Heute haben wir uns entschieden, einen Ausflug ins Napa Valley zu unternehmen. Nachdem uns das Weingebiet um Kapstadt herum so gut gefallen hat, sind wir mal gespannt, was das kalifornische Pendant so zu bieten hat.
Über die Bay Bridge verlassen wir San Francisco in Richtung Nordosten und frühstücken auf halber Strecke bei einem IHOP-Restaurant, einmal müssen wir ja schließlich amerikanische Pancakes essen. Dort planen wir auch die weitere Tour.Es gibt viele interessante Weingüter im Bereich Napa und Sonoma Valley, wir entschließen uns aber nach einiger Überlegung für das Weingut von Robert Mondavi, den Klassiker im Napa Valley.


Napa Valley, Californien

Schon bei der Anfahrt wissen wir, warum unser Reiseführer uns abgeraten hatte, die Tour am Wochenende oder Feiertag zu unternehmen, denn selbst heute an einem Dienstag vormittag ist sehr dichter Verkehr. Das Napa Valley ist ein eher schmales Tal, welches sich für einige Meilen nördlich der Stadt Napa entlang des Highways 29 entlangstreckt. Im kleinen Örtchen Oakville treffen wir dann auf das Weingut Robert Mondavi mit dem Nobel-Ableger "Opus One" auf der gerade gegenüberliegenden Straßenseite.

Weingut Robert Mondavi
Das Weingut "Robert Mondavi", vom Gründer ganz bewußt im Stile einer spanischen Mission errichtet, damit es nach außen hin einen "offenen und gastfreundlichen Ablick" bietet. Die Ansicht mit dem Turm ziert dann auch viele der Etiketten.

Die Kellereibesichtigungen finden stündlich statt, dauern ca. 75 Minuten und eine vorherige Anmeldung ist empfohlen / nötig, wir haben uns einfach von unterwegs telefonisch angemeldet. Durch den zähen Verkehr schaffen wir es dann auch wirklich gerade so, pünktlich einzutreffen und mit vier weiteren Personen werden wir zunächst kurz mit den Details zum Weinanbau im Napa Valley vertraut gemacht. Auf sehr engem Raum herrschen viele verschiedene Mikroklimazonen, so dass unterschiedlichste Rebsorten hier erfolgreich angebaut werden können. Das Robert Mondavi dies perfekt beherrscht, daran wird natürlich kein Zweifel gelassen.
Na ja, danach geht es weiter über ein paar Muster-Weinstöcke zum Keller, der wie aus dem Ei gepellt aussieht. Da zur Zeit natürlich keine Weinlesezeit ist, sind die Tanks nicht gefüllt und auch die überdimensionale Weinpresse ohne Funktion. Gelagert werden Teile des Weins in Eichenholzfässern in einem riesigen Raum, der natürlich peinlichst klimatisiert und befeuchtet wird, um optimale Bedingungen zu erreichen.


Weinkeller Robert Mondavi

Anders als in Südafrika scheint der durchschnittliche Amerikaner eher kein Weintrinker zu sein, denn viele der Erläuterungen scheinen sich an Leute zu richten, die überhaupt keine Ahnung von Wein haben. Aber das muß ja nicht schlecht sein. Damit die ersten Weinerfahrungen dann auch gleich gemacht werden können, gibt es nach der Führung eine Weinprobe. Unser Führer erläutert, wie man Wein fachmännisch verkostet und zeigt, wie man am besten eine Flasche entkorkt.
Der Wein gefällt uns sehr gut, die Preise sind aber doch deutlich gehoben, zwischen 23 und 98 Dollar / Flasche kostet der Wein anschließend im angrenzenden Shop, den man unweigerlich durchqueren muß. Auch ein "Weinabo" wird eifrig beworben, zum Glück wird hier nicht nach Deutschland geliefert... Das Gefühl, dass man hier an einer großangelegten Werbeveranstaltung teilgenommen hat, für die dann auch noch 25 Dollar Eintritt / Person fällig waren, läßt uns nicht ganz los. Aber wir haben es jetzt wenigstens einmal gesehen.
Das Napa Valley selbst ist für amerikanische Verhältnisse sehr idyllisch, es gibt auch einige sehr nett aussehende kleine Bed-&-Breakfast Unterkünfte, so dass ein etwas längerer Aufenthalt sich dort sicherlich auch lohnen könnte. Wir schauen noch kurz das Weingut "Opus One" an, aber die heutige Führung war schon vorbei und da für alles andere, z.B. Weinproben vorherige Anmeldungen erforderlich sind, machen wir uns langsam auf den Rückweg, dieses Mal über den Silverton Trail, eine landschaftlich sehr schöne Parallelroute zum Highway 29.

Weingut Opus One, Napa Valley
Weingut "Opus One"

Als wir hinter Napa wieder auf den Freeway Richtung San Francisco einbiegen wollen, bewegt sich unser Auto nicht mehr vorwärts. Wir mußten vor der Auffahrt noch an einer roten Ampel halten und als Joachim bei Grün wieder anfahren will, passiert einfach - nichts. Wir versuchen unter dem Hubkonzert der Autos um uns herum (wir stehen wirklich mitten im Weg) nochmals erneut einen Gang einzulegen, aber sowohl in "D" als auch in "3" tut sich nichts, der Rückwärtsgang geht, aber der ist mitten auf der Autobahnauffahrt nicht wirklich hilfreich. Ein junger Indianer ist aber sofort sehr hilfsbereit und so können wir das Auto zumindest erst einmal nach rechts an den Seitenrand schieben, so dass der Stau hinter uns abfließen kann. Dann versuchen wir noch einmal alles: neu starten etc und stellen fest, dass neben dem Rückwärtsgang auch noch der Gang "2" geht, er erlaubt zumindest ein minimales Tempo von ca. 15 mph und wir hoffen, dass das nun fahrende Auto dann vielleicht in "3" oder "D" sich vorwärtsbewegt, aber das geht nicht. Da man auf dem vierspurigen Freeway im zweiten Gang nicht wirklich ernsthaft fahren kann, suchen wir uns noch kurz eine Stelle, an der wir einigermaßen gut auf dem Seitenstreifen anhalten können. Viel weiter könnten wir so und so nicht mehr fahren, denn direkt vor uns liegt ein riesiges Autobahnkreuz, welches wir im Schneckentempo nicht passieren können noch dazu in dem dichten Verkehr, der gerade herrscht.
Ein Warndreieck können wir im Auto leider nicht finden, gibt es in den USA vielleicht auch nicht. Eine Nummer der Hertz Autovermietung läßt sich im Auto ebenfalls nicht finden, aber zum Glück haben wir ja die Nummer von Hertz noch im Handy gespeichert. Nachdem ich in der Warteschleife die Option "Unfall, benötige Hilfe" ausgewählt habe, spreche ich dann auch erstaunlich schnell mit einem Angestellten, der sich sofort eifrig daran macht, uns einen Abschleppdienst zu schicken. Zum Glück ist das ganze ja in einer sehr dicht besiedelten Gegend geschehen, so dass wir wohl innerhalb einer Stunde mit Hilfe rechnen können.
Kurze Zeit später hält dann ein Wagen der "Highway Patrol" an mit einem Officer der sehr freundlich nachfragt, ob wir Hilfe brauchen und uns versichert, er würde in Kürze noch einmal vorbeischauen, "ob uns denn auch wirklich geholfen" wird. Wir sehen ihn nicht wieder, was aber daran liegt, dass wir dann doch zügig nach knapp einer halben Stunde von einem Abschleppdienst abgeholt und unser Wagen aufgeladen wird. Zur großen Erleichterung von Joachim kann auch der Mann vom Abschleppdienst den Wagen nicht wieder zum Laufen bringen. Er wundert sich eigentlich auch nicht weiter und murmelt: "Transmission problem" und meint achselzuckend, es sei halt ein amerikanisches Auto. Die Wagen mit amerikanischer Herkunft sorgen anscheinend für einen erfreulichen Kundenstrom im Pannengewerbe. Wir steigen mit ihm ins Fahrerhäuschen und ab geht es nach "Alameda", von dort wird Hertz sich uns hoffentlich weiter annehmen. Der junge Mann von "AAA", dem amerikanischen ADAC ist sehr nett und wir unterhalten uns ausgezeichnet und die Situation entspannt sich deutlich.

Abschleppdienst
Unser Trailblazer wird abgeschleppt auf dem Highway 37 East direkt vor der Kreuzung mit der I-80.

Die Fahrt nach Alameda ist ziemlich lange, liegt aber in Richtung San Francisco, wenigstens etwas! Als es dämmert, werden wir und unser Auto auf einen Hinterhof gebracht, auf dem Hertz anscheinend seine kaputten Autos repariert. Es wirkt in der nun einsetzenden Dämmerung etwas unheimlich und wir freuen uns, als jemand von der Mietwagenfirma mit einem riesigen SUV um die Ecke biegt.

Hertzwerkstatt in Alameda
Hertzwerkstatt in Alameda, erst einmal Endstation für unseren Trailblazer

Wir freuen uns einen kleinen Moment, ist dies etwa das neue Auto?? Das wäre ja genial!! Aber wir werden zunächst nur eingeladen und zur Hertz Vermietung an den Oakland Airport gebracht.  Diese Autovermietungsstation kennen wir ja mittlerweile schon... Zum Glück ist dort bei nunmehr später Stunde relativ wenig los und ein älterer Herr hört sich etwas ungläubig unsere Geschichte an. "Liegengeblieben? Abgeschleppt? Kein Auto mehr, kein Schlüssel, keine Vertragsunterlagen??". Er macht nicht so den Eindruck, als wäre die Vermietstation über den Vorfall schon informiert, wie uns telefonisch versichert wurde. Na ja, nach einiger Zeit merken wir, dass er eigentlich nur ein paar Scherze machen möchte, die wir aber eigentlich in dieser Situation gar nicht so komisch finden. Er fragt uns schließlich, was wir für ein Auto möchten, Joachim sagt nur matt: Bitte etwas Zuverlässiges... vielleicht einen Impala...? Der Herr zieht die Augenbraue hoch, ungläubig: Einen Impala??? Wir lenken schnell ein und schleimen, wir würden natürlich das nehmen, was er uns empfehlen würde und denken, bloß weg hier. Er bietet uns einen "ganz tollen" GMC Arcadia an, nie gehört. Joachim sagt nur, hoffentlich ist der auch zuverlässig. Die Dame hinter uns in der Schlange bestätigt, das sei ein ganz tolles Auto. Wir sind gespannt und warten vor der Halle geduldig, bis das für uns zur Zeit noch in der Reinigung befindliche Vehikel endlich vorfährt. Es ist tatsächlich genau das Auto mit dem wir vom Autohof abgeholt wurden, nur frisch aus der Waschstraße kommend!! Ein riesiges Allradfahrzeug, von der Größe ca. einem VW Tuareg vergleichbar mit Ledersitzen, riesiger Soundanlage und auch sonst bleibt kein Wunsch unerfüllt, sogar der Kofferraum öffnet sich elektrisch auf Knopfdruck... Da haben wir nicht schlecht gestaunt und uns natürlich riesig gefreut. Jetzt nur noch schnell aus dem unheimlichen Oakland raus und ab in Richtung San Francisco.

Mittlerweile ist es schon nach 22 Uhr und da wir beide sehr hungrig geht es zum Burger-Essen zum nächsten IHOP. Eigentlich hätten wir heute abend in einem netten Restaurant am Union Square essen wollen und hatten sogar eine Reservierung... Na ja, vielleicht klappt das ja morgen....
Bilder vom neuen Auto folgen.
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