Home 1. Woche 2. Woche 3. Woche 4. Woche Gästebuch | Dienstag, 28.08.2007 Goodbye, Las Vegas, unser Grand Canyon-Abenteuer beginnt! Um 5:15 Uhr klingelt unser Wecker, da wir schon um 13:00 Uhr am Grand Canyon Village am Südrand sein müssen um unseren Shuttle-Bus zum Nordrand zu erreichen. Unser Navigationssystem hatten wir bereits am Vortag konsultiert, es sagte uns 277 Meilen und eine Fahrtzeit von 5:45h vorraus. Schnell noch einen Kaffee von "Seattles Best" dem Coffee Shop des Orleans Hotel geholt und per Telefon den "Bell Service" verständigt, da sich zu unseren Taschen nun auch noch 2 riesige Rucksäcke gesellten. Prompt kam ein freundicher Page an unsere Tür, nahm unser Gebäck in Empfang, unser Dodge wurde geholt und das Gebäck hineingeladen. Wir mußten nur zuschauen. Dieser Luxus ist leider bald vorbei, ab dem Grand Canyon müssen wir alles wieder selbst schleppen. Wir verlassen Las Vegas in südlicher Richtung und bemerken erstaunt, wie groß Las Vegas geworden ist seit unserem ersten Besuch 1998. Bis Boulder City dicht vor dem Hoover Dam sind wir fast nur an Häusersiedlungen vorbeigekommen. Der Hoover Dam bei Las Vegas ist ein gigantischer Staudamm, er staut den Colorado auf und bildet den Lake Mead. Der Highway verläuft direkt über den Damm, es gibt ein Visitor Center und man kann den Hoover Dam im Rahmen einer geführten Tour besichtigen. Aber so früh am Morgen ist alles noch sehr ruhig. ![]() Der Hoover Dam bei Las Vegas Wir sehen, dass in die Felswände um den Staudamm herum riesige Pfeiler gebaut werden, wir nehmen an, dass der ganze Hoover Damm nochmal mit einer gigantischen Brücke überspannt werden soll. Sieht nach einem echten Jahrhundert-Projekt aus, wenn es denn einmal fertig ist! Kurz nach der Überfahrt über den Damm hüpft aus den wirklich steilen Felsen neben uns ein riesiges steinbockähnliches Tier auf die Fahrbahn. Dies hätten wir in dieser vollkommen dem Menschen unterworfenen Natur nicht erwartet. Für einen kurzen Moment schauen wir dem Steinbock in die Augen, alle erschrecken und das Tier hüpft beherzt über die Leitblanke in die andere Richtung davon. Im Rückspiegel beobachten wir amüsiert, wie die restlichen Tiere seiner Herde den Felshang hinabrutschen. Kurze Zeit später sehen wir am Straßenrand das Schild mit der Warnung "Vorsicht Dickhorn-Schafe kreuzen!" - das stimmt!! Nach dem Passieren des Hoover Dammes verläuft der Highway flach durch eine karge Wüstenlandschaft und erreicht den Ort "Kingman" an der ehemaligen Route 66. Nichts besonderes, wir besuchen den "Jack in the Box" eine der vielen dort vorzufindenden Fast Food Ketten und Joachim bestellt einen Salat, dies hat da bestimmt seit Jahren keiner mehr bestellt. Das Fast-Food-Lokal ist gut besucht, v.a. deutlich im Rentenalter befindliche Herrschaften scheinen dort den ganzen Tag zu verbringen. ![]() Übersichtskarte der Gegend um den Grand Canyon. Rote Markierung = Unsere Fahrt von Las Vegas zum Südrand; Blaue Markierung = Die Fahrt mit dem Shuttle-Bus vom Süd- zum Nordrand. Gut gestärkt folgen wir der Interstate-40 in östlicher Richtung, diese verläuft über eine hübsche grüne Hochebene mit Büschen und Gräsern. Wir fahren bis Williams, einem kleinen Ort, der ebenfalls an der historischen Route 66 liegt. Hier biegen wir nach Norden ab, nur noch wenige Meilen! Wir liegen im Zeitplan und die Stimmung ist gut. Am Grand Canyon angekommen (Eintritt für 7 Tage pro PKW 25 Dollar, ein Paß, der zum Besuch aller Nationalparks innerhalb eines Jahres berechtigt, kostet ab diesem Jahr 80 Dollar und lohnt sich für uns nicht) machten wir uns sofort auf den Weg zur Bright Angel Lodge, ab hier startet der Shuttle-Bus. Überall Touristen, Touristen.... Da muß man Nerven bewahren, einen Parkplatz zu finden - Glückssache. Es gibt zwar einen Parkplatz direkt für Rucksack-Wanderer ins Backcountry, der liegt aber relativ abgelegen und wir hatten ja die Hoffnung, dass unser Gepäck vielleicht bei der Bright Angel Lodge direkt gelagert werden könnte. Alles im Auto lassen, da hätten wir ein ungutes Gefühl, auch wenn wir nicht wirklich glauben, dass am Grand Canyon mitten in der Einöde massenhaft Autos aufgebrochen werden. Wir hatten Glück: Direkt vor der Lodge wurde gerade vor uns eine Parklücke frei! Nun nur noch mit unserem Dodge hinein - geschafft! Parklücken in Nationalparks sind zwar Mangelware, hat man dann einmal eine, dann ist diese auch amerikanisch riesig groß! Das Gepäck laden wir aus und tragen es zur Rezeption. Wir hatten von Deutschland aus telefonisch bereits angefragt und da sagte man uns, Gepäck würde aufbewahrt, aber wer weiß? "Are you staying with us?" Ähm, nein, wir werden hier nicht wohnen, aber nehmen Sie trotzdem unsere Taschen zur Aufbewahrung? "No problem!" Die Taschen wurden in einen hölzernen Verschlag auf die Verande gesperrt, dort befand sich zwar schon allerlei Gerümpel, ausrangierte Elektrogeräte, einige kleine Rücksäcke, aber noch kein weiteres Gepäck. Wird schon nicht schiefgehen! Nicht-Hotelgäste zahlen pro Nacht 1 Dollar / Gepäckstück, die erste Nacht ist umsonst, wir finden es fair und erhalten ordnungsgemäß eine Quittung nachdem der Hotelboy das Vorhängeschloß an der Holztür wieder angebracht hatte. Mittlerweile ist es schon 12:50 Uhr, noch schnell einen kurzen Blick von der Veranda der Lodge in den Canyon hinein, wir sehen den Nordrand und den Weg zum Plateau Point, alles sieht sooo nah aus! Wir werden ja sehen, ob sich dieser Eindruck auch zu Fuß bestätigt!!! Den Colorado selbst sieht man nur an ganz wenigen Stellen im Village, hier nicht. Um 13:00 Uhr beginnt pünktlich das "Einchecken" auf den Bus. Andere Mitreisende erkennt man sofort an den riesigen Rucksäcken. Die Fahrt mit dem Shuttle muß vorher reserviert werden und nachdem wir 70 Dollar cash/Person bezahlt haben werden wir einzeln aufgerufen. Heute sind so viele Passagiere, dass wir in zwei Bussen á 9 Personen fahren werden. Unsere Fahrerin ist Anne und sie lädt unser Gepäck auf den Dachgepäckträger, wo die Rucksäcke noch einmal in einen großen Sack kommen, der dann festgeschnallt wird. ![]() Unser Bus bei einer Rast in Marble Canyon Mit uns reisen eine Gruppe von 3 Personen (ein Ehepaar mit Bruder der Frau, alle um die 50 Jahre alt aus Minnesota und Los Angeles) und eine Vierergruppe junger Leute (drei Mädchen und ein Junge Anfang - Mitte 20) aus Kanada. Die jungen Kanadier haben alle riesige Rucksäcke, dagegen sind unsere Rucksäcke richtig klein. Wir sind stolz auf uns, dass wir dieses Mal wirklich auf leichtes Gepäck geachtet haben und nicht diejenigen mit den größten Säcken sind. Im Bus ist reichlich Platz für uns alle und nachdem wir alle sicher angeschnallt sind geht es um 13:30 Uhr pünktlich los. Wir werden 213 Meilen (343 Kilometer) fahren müssen um an den Nordrand des Grand Canyon zu kommen, der Luftlinie gerade einmal 10 Meilen (17 Kilometer) entfernt ist. Der Grand Canyon selbst erstreckt sich über 277 Flußmeilen (445 Kilometer) entlang des Colorado River in grober West-Ost-Ausdehnung. Brücken gibt es keine im Grand Canyon, so fahren wir also erst einmal parallel zum Südrand in östlicher Richtung und später nach Norden, um bei Flußmeile 0 des Grand Canyon schließlich über die Navajo Bridge bei Marble Canyon den Colorado zu queren. In westlicher Richtung erreichen wir nach wieder etlichen Meilen den Mini-Ort Jacobs Lake, wo wir wieder in südlicher Richtung abbiegen, um über eine wunderschöne Hochebene zum Nord-Rand zu gelangen. Es gibt zwei Pausen, einmal an einer Tankstelle im Ort Cameron, wo wir alle ein Eis und sonstige Snacks kaufen. Es ist sehr, sehr heiß, das Eis schmilzt im Wüstenklima sofort, problemlos besteigen wir alle jedoch trotz tropfender Eiskreme den Bus - in Deutschland undenkbar. Hier kein Problem, Hauptsache der Sicherheitgurt ist angelegt! Kurz danach kommen wir in ein heftiges Gewitter und es regnet ordentlich, wir sorgen uns kurz um unsere Rucksäcke auf dem Dach, aber kurze Zeit später ist das Unwetter auch schon wieder vorbei. Am Straßenrand sehen wir überall einfachste hölzernde Verkaufstände, an denen Indianer Schmuck und Töpferwaren anbieten, klar, wir sind im Indianerreservat. Die zweite Pause ist in Marble Canyon bei dem Mini-Ort Lees Ferry kurz nachdem wir den Colorado überquert haben. Die Navajo Bridge ist ein interessantes beeindruckend hohes Bauwerk mit einem Besuchercenter das die Geschichte der Anfang des letzen Jahrhundert erbauten Brücke erklärt, aber für Fotos oder eine nähere Information ist für uns natürlich leider keine Zeit. Das letzte Stück unserer Fahrt hinter Jacobs Lake ist landschaftlich so schön, das alleine dieses Teilstück eine Fahrt zum Nordrand des Grand Canyon rechtfertigen könnte. Durch einen Wald (letztes Jahr war hier ein sehr heftiges Waldfeuer und hat große Schäden hinterlassen, der Nordrand war sogar gesperrt und Besucher und Mitarbeiter mußten evakuiert werden) gelangen wir auf eine wunderschöne Hochebene, hier sehen wir viele Tiere, vor allem Rudel von Hirschen und wilde Truthähne von denen wir bisher dachten, die gäbe es hier nur in Geflügelfarmen. Als wir kurz vor 18:00 Uhr an der North Rim Lodge ankommen, die in totaler Einsamkeit liegt, zeigt das Schild am Eingang "No Vacancy", aber wir hatten ja schon im Internet eine Cabin vorgebucht. Ein Campingplatz gibt es auch, dieser liegt kurz vor der Lodge malerisch in den Wald eingebetet. Aber auch hier: "Campground full". Also bloß nie ohne Reservierung die weite Strecke fahren! Der Nordrand ist touristisch sehr viel weniger erschlossen als der Südrand bedingt durch seine einsame Lage und die Tatsache, dass die Straße nur von Ende Mai bis Anfang Oktober passierbar ist, die übrige Zeit ist sie wegen hoher Schneedecke geschlossen. Der Nordrand liegt auf einer Höhe von ca. 2500 Metern über NN, damit 400 Meter höher als der Südrand, was sich in einer komplett anderen Vegetation (schöner dichter Wald) widerspiegelt. Wir beziehen unsere reservierte niedliche Cabin, eine Holzhütte, die zwei vermietete Zimmer enthält, die jeweils einen eigenen Eingang haben und ein eigenes Bad. ![]() Die Cabins der North Rim Lodge, gemütlich! Alles ist aus Holz gebaut und uns gefällt es ausgezeichnet. Schnell die letzte Dusche (morgen soll es sehr sehr früh losgehen) und dann zügig mit dem Fotoapparat zum Sonnenuntergang an den Canyonrand! ![]() Kurz vor Sonnenuntergang.... Es sind viele Wolken aufgezogen und der Sonnenuntergang ist nicht so spektakulär, aber es ist immer noch bewundernswert wie die Felsen sich langsam immer röter verfärben. ![]() Kurz nachdem die Sonne untergangen ist... immer noch wunderschön! Unser Weg wird uns morgen entlang der Bright-Angel-Spalte (diagonal im Bild von links-unten nach rechts-oben vor den Spitzen verlaufend zu sehen) in die Tiefe führen. Am Horizont ist in der Ferne der Südrand zu erkennen. Irgendwo dazwischen fließt der Colorado, der vom Nordrand doppelt so weit entfernt liegt wie vom Südrand und hier nicht sichtbar ist. Zur Feier des Tages essen wir in der Lodge zu Abend. Es ist gut besucht, trotzdem sind noch einige wenige Tische unbesetzt und wir beobachten erstaunt, dass Gäste, die keine Reservierung haben, abgewiesen werden. "Sorry, we are full." Okay, keiner beklagt sich, aber wir bemerken mal wieder, dass der Begriff "Voll" in den USA und Deutschland verschieden interpretiert wird. Wir bekommen nach kurzer Wartezeit den mehrere Wochen zuvor telefonisch reservierten Tisch und essen vorzüglich. Ab morgen gibt es dann nur noch Fertiggerichte auf dem Campingkocher! ![]() Ein Restaurant mit Aussicht Die Dunkelheit am Grand Canyon ist ungewohnt, brennt kein Licht, ist es wirklich dunkel! Der Weg zu den Cabins ist aber schwach beleuchtet, die sicherheitshalber mitgenommene Stirnlampe bleibt unbenutzt im Rucksack. Wir sind vom vielen Autofahren so richtig müde und liegen schon um kurz nach 21:00 Uhr im Bett, der Wecker klingelt ja auch schon wieder um 5:15 Uhr, doch dazu morgen mehr. | |
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