Home 1. Woche 2. Woche 3. Woche 4. Woche Gästebuch | Mittwoch, 29.08.2007 Unser Wecker klingelt um 5:15 Uhr, viel zu packen gibt es nicht, wir haben ja nur noch unsere Rucksäcke. Nur noch Sonnencreme sorgfältig auftragen und alle Stellen an den Füßen, die jemals eine Blase hatten mit einem Pflaster vorsorglich versehen und unsere Vorbereitungen sind abgeschlossen und wir machen uns auf dem Weg zum Haupthaus der Lodge. Da der North Kaibab Trail, den wir wandern wollen erst in 2 Meilen (3,4 km) Entfernung von der Lodge startet, bietet die Lodge einen Fahrservice zum Trailhead (=Startpunkt eines Wanderweges) an. Den nehmen wir natürlich gerne an, die 2 Meilen zum Start gehen ziemlich stupide durch dichten Wald ohne große Ausblicke in den Canyon und die Rucksäcke werden nachher bestimmt noch ziemlich schwer werden, so dass wir uns diese zusätzlichen Meter gerne ersparen. Zur Auswahl steht ein Shuttle um 5:00 oder um 6:15 Uhr, wir entschieden uns gestern beim Einchecken schon für den späteren Transport. Der Coffee Shop öffnet nämlich erst um 5:30 Uhr und ein kleines Frühstück vor unserer Wanderung erscheint uns doch sehr verlockend... Auf Grund der extremen Hitze im Grand Canyon werden die Shuttle-Verbindungen so früh angeboten, und in der Tat ist es sehr empfehlenswert, zeitig mit Sonnenaufgang (oder besser sogar noch etwas früher) loszugehen, da es dann noch nicht so heiß ist. Wir sind vor Jahren bei unserer ersten Wanderung in den Grand Canyon erst um 7:30 Uhr am South Kaibab Trailhead losgelaufen (was wir damals als ausreichend früh empfanden) und die Hitze hat uns bald eingeholt und so richtig fertig gemacht. Das passiert uns also ohne Not nie wieder! Im Coffee Shop bestellen wir den letzten Milchkaffee und ein Bagel. Wir sind die einzigen Wanderer, die um 6:15 Uhr fahren wollen, alle anderen sind schon um 5:00 Uhr mit dem Shuttle aufgebrochen. Da wir heute aber nicht den ganzen Weg bis zum Colorado wandern müssen sondern nur bis zur halben Strecke zum Cottonwood Campground gönnen wir uns den Luxus des späteren Aufbruchs. ![]() Das erwartet uns heute Der Beginn des North Kaibab Trails liegt auf 2515m Meereshöhe und als wir um 6:30 Uhr dort abgesetzt werden ist es noch ziemlich frisch, ca. 10°C und in unseren kurzen Hosen fröstelt es uns ordentlich. Wir können uns noch überhaupt nicht vorstellen, dass es in Kürze sehr viel heißer werden wird! Mittlerweile ist es auch schon taghell. ![]() Aussicht am Beginn des North Kaibab Trails, wegen der Höhenlage von 2500m über NN ist hier noch überall dichter Wald Jetzt wird es ernst! Rucksäcke noch schnell gerichtet und los geht´s. Der Weg führt zunächst durch waldiges Gelände, die Temperatur ist jetzt genau richtig, der Rucksack angenehm leicht und die Stimmung gut. ![]() Noch ist es herrlich kühl... Da der Grand Canyon im Querschnitt grob einem "U" ähnelt sind jeweils der Anfang und das Ende recht steil. Bergab fällt uns dies jedoch gar nicht auf. Nach kurzer Wanderung erreichen wir den "Coconino Overlook" und es bietet sich uns der erste schöne Blick in den Grand Canyon und auf die Strecke, die noch vor uns liegt. ![]() Nach 1,8 Meilen und eine knappe Stunde später erreichen wir den "Supai Tunnel" in 2073m Höhe, hier wurde für den Weg ein Loch in den Felsen gesprengt und es gibt die erste "Wasserstelle". Wir haben noch fast gar kein Wasser verbraucht, füllen aber brav nach, so dass wir jetzt jeder 3l Wasser am Rucksack tragen. Wir haben nun schon fast 450 Höhenmeter geschafft und diese noch überhaupt nicht gemerkt! Langsam schlängelt sich der Weg im Schatten nach unten. Die Felsen um uns herum verändern die Farbe, zunächst sind sie beige, dann eher schmutzig-grau, am Supai-Tunnel richtig leuchtend orange. ![]() Ein Geologen-Wunderland! Um kurz vor 8:00 Uhr erreichen wir die "Redwall-Bridge", die Sonne hat uns ab jetzt voll im Visier und da es nach der Brücke ein kurzes Stück bergauf geht fangen wir ordentlich an zu schwitzen und der Wasservorrat schmilzt schnell dahin. ![]() Die Redwall-Bridge, ab jetzt haben wir nur noch Sonne auf dem Weg Wir haben vor dem Urlaub ein Schlauchsystem erworben, dieses kann man in die Trinkflaschen stecken und so im Gehen trinken, ohne stehenzubleiben oder den Rucksack absetzen zu müssen. Sehr zu empfehlen! Der Fels um uns herum verändert ständig die Farbe: Zunächst ist er wollweiß und schließlich grau-grünlich als wir unseren anvisierten Rastplatz "Roaring Springs" in 1585 Meter Höhe um 9:30 Uhr erreichen. Um zum Rastplatz zu kommen muß man ein wenig vom Weg abzweigen, was sich aber lohnt, denn wir finden ein schönes schattiges Plätzchen und legen den Rucksack ab. Da wir wissen, dass am Cottonwood Campground selbst nur wenig Schatten ist, planen wir hier eine längere Rast ein und wollen frühestens um 15:00 Uhr weitergehen, wenn die Hitze etwas nachläßt. Wir verzerren die letzen mitgebrachten Äpfel und naschen von unseren salzigen Nüssen; den Kocher aufzubauen, sind wir (noch) zu faul. ![]() Im Schatten von "Roarings Springs" läßt es sich gut rasten, direkt vor uns befindet sich fließendes Wasser, was für ein Luxus Nach kurzer Zeit kommen zwei Amerikaner zu unserem Rastplatz, sie sind mit einem Maultier-Trek hierher gekommen. Die "Mules" (=Maultiere), eine Kreuzung aus Pferde-Stute und Esel-Hengst, werden aufgrund ihrer Trittsicherheit und Zähigkeit für Lastentransporte eingesetzt. Touristen können vom Nord- und Südrand auf den "Mules" Ausflüge in den Grand Canyon machen und dabei auch unten im Canyon in der "Phantom Ranch" in der Nähe des Colorado übernachten. Die Touren vom Nordrand enden auf Grund der zu großen Entfernung zum Colorado jedoch alle spätestens bei Roaring Springs ohne den Colorado zu erreichen. Ich frage die beiden Amerikaner, ob es ein komisches Gefühl sei, dass die Mules am liebsten auf der dem Abgrund zugewandten Seite des Trails laufen; aber nein, das sei schon okay. Allerdings biegen sie wohl erst recht spät um die Kurve, so dass man ab und zu das Gefühl hat, man segele geradeaus weiter auf den Abgrund zu. Bislang ist noch nie ein Mule mit einem Menschen abgestürzt. Die Tiere sind vor dem Rastplatz angeflockt und ich schaue sie mir mal aus der Nähe an: Sie sind so groß wie ein Pferd, nur die langen Ohren verraten eindeutig, dass hier auch ein Esel beteiligt ist! ![]() Roaring Springs ist Endpunkt für Muli-Ritte in den Grand Canyon vom Nordrand aus Nach einiger Zeit erreichen auch die Kanadier, die wir gestern im Bus kennengelernt haben den Rastplatz. Sie sind um 7:00 Uhr losgegangen und vom Tragen ihrer großen Rucksäcke total k.o. Sie mußten durch den späteren Aufbruch einen längeren Stück des Weges durch die pralle Sonne gehen als wir und in der Sonne ist es wirklich sehr viel anstrengender! Auch sie wollen nun lieber im Schatten die größte Hitze abwarten, denn mittlerweile ist es schon nach 11:00 Uhr und es wird immer heißer. Joachim und ich erkunden noch ein wenig die Gegend, aber zu den Wasserfällen von Roaring Springs kann man nicht richtig herankommen. Die Wasserfälle sind entsprechend ihrem Namen tatsächlich recht laut und vor allem wasserreich das ganze Jahr über. Aus diesem Grund konnte sich in Roaring Springs auch eine kleine Oase ausbilden. Neben der wilkommenen Raststelle für Wanderer versorgen diese Wasserfälle auch noch den gesamten Nord- und Südrand des Grand Canyon mit Trinkwasser, es wird zu diesem Zweck sowohl zum Nord- als auch zum Südrand hochgepumpt. Die Wasserfälle selbst werden gespeist vom Schmelzwasser des hochgelegenen Colorado-Plateaus, das Wasser versickert dort nach der Schneeschmelze im Grund und erreicht irgendwann eine wasserundurchlässige Schicht, wo es sich sammelt und im Roaring Springs Canyon in Form eines Wasserfalles an die Oberfäche tritt. Um 14:15 Uhr schauen wir beunruhigt auf den Himmel, auf dem immer dunklere Wolken aufziehen. Im Spätsommer ist "Monsun-Season" und heftige Gewitter möglich. Wir überlegen, warten oder schnell weiter zum Campground? Wir entscheiden uns für den Aufbruch, da wir wissen, dass kurz nach Roaring Springs noch das Haus des Pumpenwärters am Weg liegt, hier wäre noch einmal eine Unterschlupfmöglichkeit bei schlechterem Wetter möglich. Just nachdem wir alles wieder zusammengepackt haben, die Wasservorräte nachgefüllt und der Rucksack wieder auf dem Rücken sitzt fallen die ersten großen Tropfen. Die Kanadier bleiben noch. ![]() Blick vom North Kaibab Trail kurz hinter Roaring Springs zurück auf den Nordrand. Werden uns die dunklen Wolken noch einholen? Wir wandern trotzdem los, die Regentropfen lassen kurze Zeit später nach und wir laufen wieder durch die volle Sonne obwohl sich hinter uns die dunklen Wolken türmen. Von Roaring Springs sind es noch knapp 300 Höhenmeter zum Campground bei einer Wegstrecke von 1,8 Meilen. Das müßte doch zu schaffen sein! Der Weg biegt nun direkt zum Bright Angel Creek im Bright Angel Canyon ab und wir werden den Bachlauf nun bis zum Colorado als stetigen Begleiter haben. ![]() Der North Kaibab Trail erreicht kurz hinter Roaring Springs den Bright Angel Creek, die Wasserversorgung ist nun sicher Wir passieren das Haus des Pumpenwärters, die Steilheit des Weges läßt merklich nach, trotzdem quälen wir uns schon deutlich mühsamer weiter. Der Rucksack wird immer schwerer und schwerer und unsere Füße sind müde vom ständigen Abstoppen auf dem Weg bergab. Der Campingplatz müßte doch endlich kommen!! Wir halten Ausschau, sehen ihn aber wirklich erst, kurz nachdem wir direkt davor stehen. Als erstes fallen uns Pferde neben dem Weg auf, sie gehören wahrscheinlich Privatleuten, die diese auf ihre Wanderung mitgenommen haben. (Es ist nämlich möglich, eigene Tiere mitzubringen, aber da wir nicht über Pferde verfügen, müssen wir uns und unser Gepäck leider selbst schleppen.... ) Der Cottonwood Campground ist klein, die wenigen Zeltplätze, die über minimalen Schatten verfügen, sind alle schon belegt. Wir nehmen den nächsten freien Zeltplatz, legen die Rucksäcke ab, breiten als erstes die Isomatten aus und legen uns erst einmal für eine halbe Stunde hin. Wir hätten nicht gedacht, dass uns die letzten Meter doch noch so kaputt machen! Nachdem wir uns wieder erholt haben, bauen wir unser in Deutschland kurz vor unserer Abreise neu erworbenes Zelt auf. Es ist sehr leicht, wiegt nur 1,6kg und ist dennoch für zwei Personen ausgelegt. Wir hatten es Zuhause zur Probe natürlich mal im Wohnzimmer aufgebebaut und stellen nun in der Realität fest, dass das Zelt sich nicht so gut abspannen läßt wie erhofft. Es steht nicht frei, da es nur einen Zeltbogen (in der Mitte) hat und egal wie wir an den Zeltwänden ziehen und zerren, es bleibt ziemlich klein, unsere schmalen Isomatten passen gerade so hinein. Durch die Konstruktion mit nur einem Zeltbogen ist es im Querschnitt dreieckig, dies schmälert den Platz im Zelt zusätzlich noch einmal beträchtlich, da die Wände sofort steil nach innen zulaufen. Na ja, denken wir, ist ja nur zum Schlafen. Da es immer noch sehr heiß ist und wir eine Möglichkeit zum Abkühlen suchen, laufen wir zum Bright Angel Creek, der direkt am Camp entlang läuft und am südlichen Rand des Campgrounds gut zugänglich ist. Die Beine halten wir ins eiskalte Wasser und es funktioniert tatsächlich wie eine Klimaanlage, uns ist nicht mehr warm! So erfrischt bauen wir auf dem Zeltplatz unseren Kocher auf und bereiten unser erstes Fertig-Nudelgericht zu, dies wird uns die nächsten Tage begleiten. ![]() Unser Zeltplatz. Rucksäcke müssen hoch aufgehängt werden und alles Essbare in den grünen Boxen verstaut werden, will man nicht riskieren, dass Tiere mitfuttern. Noch schnell den Abwasch erledigen, denn nach nur sehr kurzer Dämmerung wird es kurz vor 20:00 Uhr sehr schnell so richtig dunkel. Der Sternenhimmel ist wunderschön. Da wir keine Campinglampe dabei haben, legen wir uns mangels Licht bald in unser Zelt, in diesem sind herrschen Temperaturen, die einer Sauna würdig wären und die Enge ist unerträglich. Wir können gerade so nebeneinander liegen, berühren aber uns und die Zeltwände auf voller Länge und schwitzen, schwitzen und schwitzen. Eine gute Belüftung hat das Zelt natürlich nicht, es ist ja eher für verregnete mitteleuropäische Sommer ausgerichtet. Ich flüchte mit meiner Isomatte und beschließe, die Nacht auf dem Campingtisch zu verbringen, hier ist es zwar herrlich luftig, aber der Tisch steht so schief, dass ich auch hier nicht schlafen kann und zurück ins Zelt kriechen muß. Unser altes Zelt war schöner... Ich vermisse es. Trotzdem sind wir so müde, dass wir doch noch ganz gut schlafen. | |
| Vorheriger Tag Home Nächster Tag | ||