Freitag, 31.08.2007


Zum Glück haben die Temperaturen heute nacht doch noch abgekühlt und wir schlafen bis um kurz nach 7:00 Uhr als uns die Sonne weckt, die mittlerweile schon hell in unser Zelt scheint. Es wird schnell sehr warm und wir flüchten ins Freie. Komischerweise ist es morgens im Zelt auf der Isomatte bequemer als man am Vorabend dachte und das Aufstehen fällt erstaunlich schwer. So richtig ausgeschlafen haben wir also trotz der guten Vorsätze nicht.

Auf dem Kocher gibt es heute Instant-Capuccino (Luxus!) und das Schweizer Müsli wie bisher jeden Morgen. Um uns herum sind viele Zeltplätz bereits leer, wir werden morgen auch früh aufbrechen müssen! Eine alleinwandernde Frau Ende 30 im Zeltplatz nebenan liegt noch in Ihrem Zelt. Ihr Zelt ist riesig, mindestens 3x so groß wie unseres, bestimmt 1,5m hoch und besteht größtenteils aus luftigem Netzstoff. Unser Neid ist riesig! Wir beschließen, für die nächste Wanderung in den Grand Canyon auch ein solches Zelt anzuschaffen. Vorerst trösten wir uns damit, dass ihr Zelt als Nachteil bestimmt ein katastrophales Packmaß und ein hohes Gewicht hat (was aber - glaube ich - nicht der Fall ist, leider!).

Unsere Beine und Füße sind lahm, zum Glück haben wir aber wenigstens keinen Muskelkater. Einige Blasen haben wir an den Füßen, die sind aber nicht so schlimm und können problemlos mit unserer kleinen Notfallapotheke versorgt werden. Der ambitionierte (in der Heimat ausgeheckte) Plan, den heutigen Tag für die Wanderung des Clear Creek Trails zu nutzen, stellen wir zunächst zurück und beschließen stattdessen die Gegend um den Colorado zu erkunden. Hier gibt es den sogenannten "River Trail", dieser verbindet auf beiden Seiten des Flußes die beiden Brücken, die hier unten den Colorado überspannen. Er ist nur 2,8km lang bei moderater Steigung. Bewaffnet mit einer Flasche Wasser und unserer Fotoausrüstung ziehen wir los. Herrlich, ohne den schweren Rucksack!

Auf dem Weg zum Colorado River
Nur noch einmal um die Kurve, dann erreichen wir den Colorado

Vom Campground sind es nur wenige Minuten zum Colorado Ufer. Der Fluß ist hier ca. 100 Meter breit, braun-schlammig und weist eine beeindruckende Strömmungsgeschwindigkeit auf, wenn auch hier keine richtigen Stromschnellen in Sicht sind. Wir biegen zunächst nach Westen in Richtung zur "Silver Bridge" ab, unter dieser Brücke verläuft die Wasserleitung, die das Wasser von den Roaring Springs Richtung Südrand leitet. Der Boden der Brücke selbst besteht aus einem Gitter, man kann sehen, wie der Fluß einige Meter unter uns vorbeirauscht. Uns gefällt dieser Anblick, den Mules weniger, sie verweigern hier schlicht den Dienst, so dass alle Maultier-Transporte und -ritte die "Kaibab Suspension Bridge" weiter östlich gelegen nützen, hier ist der Boden undurchsichtig.

Der River Trail wurde in den 1930er Jahren in mühsamer Arbeit in den Felsen geschlagen / gesprengt und zieht sich in wechselnder Höhe im Gestein des südlichen Ufers entlang. Der Blick auf den Colordo und in Richtung Nordrand mit Bright Angel Creek-Mündung im Vordergrund genießen wir ausgiebig. Es ist mittlerweile so hell, dass unsere Kamera durch den hohen Kontrast zwischen Schatten und gleißender Sonne völlig überfordert ist. Wir werden für schöne Fotos also noch einmal wiederkommen.

Unter uns sehen wir einige wenige Rafting-Boote vorbeifahren und auch am sogenannten "Boat Beach" an der gegenüberliegenden Seite in der Nähe des Bright Angel Creeks anlegen. Der Colorado im Grand Canyon ist unglaubliche 277 Meilen lang, eine Rafting Tour kann da also locker mal 2-3 Wochen dauern. Die Phantom Ranch stellt bei Flußmeile 87,5 eine willkommene Rast und gelegentlich End- und Ausgangspunkt für kommerzielle Rafting-Touren dar, die Kunden wandern hierzu einfach vom Südrand hinab oder zu ihm hinauf.

Ein Raft auf dem Colorado - Blick vom River Trail

Ein Raft auf dem Colorado
Rafting Boote auf dem Colorado. Hier ist alles möglich: Riesige motorbetriebene Gummiflösse, Rafts mit Ruderantrieb und Kunststoffboote. Eine "private" Befahrung ist auch möglich, die Wartezeit auf ein Permit beträgt jedoch ca. 10 (!) Jahre.

In der Nähe der Kaibab Suspension Bridge mündet der South Kaibab Trail auf den River Trail und das letzte Stück bis zum Campground verlaufen beide identisch. Wir sind 1998 den South Kaibab Trail bergab gewandert und erinnern uns noch sehr gut daran, wie k.o. wir an diesem Punkt bereits von diesem steilen Weg ohne Schatten waren. Der Rucksack hatte damals ganz schön bei jedem Schritt geschoben und die letzen Meter haben wir uns mühsam vorangequält ohne die schöne Landschaft zu würdigen. Kurz bevor der Weg die Kaibab Suspension Bridge passiert erreicht man einen kleinen Tunnel, der in den Felsen gesprengt wurde. Diese Stelle ist wirklich die einzige schattige Stelle auf dem South Kaibab Trail! Wir konnten es 1998 auch nicht glauben, bis wir selbst die Erfahrung gemacht haben, ist aber so: Kein Schatten.

Blick vom River Trail auf die Black Bridge
Blick von der Kreuzung South Kaibab Trail - River Trail auf die Kaibab Suspension Bridge. Um auf die Brücke zu kommen, muß man durch einen kleinen Tunnel gehen

Nach der Brücke passieren wir auf der anderen Uferseite den Boat Beach, die Rafts sind nun aber leider alle schon wieder unterwegs, so dass eine Unterhaltung mit den Floßfahrern leider ausfallen muß. Schade, zu gerne hätte ich gewußt, wie es sich anfühlt, durch die Stromschnellen zu fahren! Mir wäre da sehr mulmig zumute. Joachim schmunzelt über meine Bedenken und glaubt, dass in den riesigen Luftkissenbooten mit Motor die Stromschnellen mehr spaßig als angsteinflössend sind.

 
Das Thermometer zeigt 41 Grad im Schatten
41°C im Schatten, da kann man es eigentlich nur noch im Wasser gut aushalten

Als wir wieder am Zeltplatz ankommen, ist es wieder sehr heiß geworden, der Clear Creek Trail wird nun endgültig auf einen der kommenden Besuche im Grand Canyon vertagt. Da auch auf unserem Zeltplatz kein Schatten mehr ist, flüchten wir wie gestern in die Canteen der Phantom Ranch. Einige Limonaden später kehren wir um 16:00 Uhr zu zurück. Unsere private Badestelle liegt nun im Schatten und dieser Luxus muß schließlich ausgiebig genutzt werden und so lassen wir wie am Vortag entspannt unsere Beine im Bright Angel Creek baumeln. Genial.

Heute bleibt der Himmel am Abend erstmals nahezu wolkenlos und wir brechen um kurz nach 18:00 Uhr erneut zum Colorado auf und genießen vom River Trail den Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang am Colorado River
Abendstimmung: Blick von der Silver Bridge auf den Colorado.

Anschließend kochen wir so schnell wir können unser Abendessen, die Dämmerung tritt aber so schnell ein, dass wir den größten Teil unserer Mahlzeit mit aufgesetzter Stirnlampe einnehmen müssen, da wir keine Campingleuchte haben. Morgen wollen wir früh aufbrechen und stellen den Wecker auf 3:00 Uhr.

Vorheriger Tag                                      Home                                          Nächster Tag