Home 1. Woche 2. Woche 3. Woche 4. Woche Gästebuch | Samstag, 01.09.2007 Um 3:00 Uhr klingelt der Wecker, auch auf den anderen Zeltplätzen erwacht das Leben, wie wir an den vorbeihuschenden Lichtern sehen. Alle wollen früh los bevor die Mittagshitze kommt. Egal wie sehr wir uns beeilen, es dauert immer zwei Stunden bis wir fertig sind zum Aufbruch: Isomatten falten, Zelt abbauen und in die mitgelieferte viel zu kleine Hülle stopfen, Müsli zubereiten und essen, abspülen und Trinkvorräte auffüllen, Rucksack packen und Sonnencreme auftragen; da verfliegen die Minuten nur so, vor allem weil wir alles mit unsere Stirnlampe in der Dunkelheit erledigen müssen. Mit dieser auf dem Kopf verlassen wir um 5:00 Uhr etwas traurig unser schönes Quartier am Bright Angel Campground. Nun wandern wir das erste Mal bergauf und wir sind gespannt, wie anstrengend es wohl für uns sein wird. Unser heutiges Ziel ist der 4,7 Meilen (7,6km) entfernte Indian Garden Campground auf Höhe des Tonto Plateaus. Das Tonto Plateau ist eine mächtige Hochebene im Grand Canyon und liegt 400 Höhenmeter über dem Colorado, wir haben also noch etwas Schonfrist bevor morgen der deutlich steilere Anstieg zum Südrand ansteht. ![]() Das erwartet uns heute Wir überqueren den Colorado in südlicher Richtung über die Silver Bridge und biegen dieses Mal aber nicht östlich zum River Trail sondern in westlicher Richtung ab und folgen für weitere knappe zwei Meilen dem Colorado. Der Weg verläuft in wechselnder Höhenlage in den Felsen am Uferrand. Es geht stetig bergauf und bergab, teilweise ist der Weg komplett von Sand bedeckt, aber anstrengend ist es noch überhaupt nicht. Am Horizont sehen wir wie der Himmel langsam heller wird. Plötzlich bleibt Joachim vor mir stehen, im schmalen Felsstreifen neben unserem Weg liegt hervorragend getarnt eine ca. 80cm lange beige Schlange, die auf ihrem ca. 4 cm im Durchmesser messenden Körper einige dunklere Flecken aufweist. Am Schwanzende befinden sich einige übereinander liegende Hornlamellen. Der Kopf ist dreieckig geformt. Eine Klapperschlange?!? Wir gehen davon aus, dass es sich hier um ein solches Exemplar handeln könnte und das muß natürlich unbedingt mit dem Fotoapparat dokumentiert werden! Schnell ist die Kamera gezückt, den Blitz wird ausgeklappt und ausgelöst. Keine gute Idee! Über den hellen Blitz ist die Schlange überhaupt nicht erfreut und fängt an heftig zu klappern. ![]() Aufregung am frühen Morgen: Eine Klapperschlange Nun ist uns klar: Es ist eine Klapperschlange. Da sie sich nun auch noch in unsere Richtung dreht, sich munter schlängelt und dabei hektisch weiter klappert, wird uns sehr, sehr mulmig. Wir stehen absolut regungslos. Die Schlange liegt nur ca. 1m rechts vor uns seitlich auf dem Wegesrand, wir können nicht nach links ausweichen, da hier steile Felswände sind und nach rechts können wir auch nicht ausweichen, da der Abgrund steil zum Colorado hin abfällt. Was tun? Ich beschließe zu warten, die Schlange wird sich schließlich schon irgendwann fortbewegen. Joachim ist davon nicht überzeugt und beschließt, einfach ruhig weiterzugehen. Die Schlange klappert fröhlich weiter, wenn auch in geringerer Frequenz. Ich beobachte beunruhigt, als Joachim sich in Bewegung setzt, aber die Schlange rührt sich nicht vom Platz. Er winkt, ich solle kommen und so gehe ich nun auch vorsichtig an der Schlange vorbei. Ich bin sehr aufgeregt und kann nicht mal sagen, ob sie noch weiter geklappert hat. Als sie drei Meter hinter mir liegt, gehe ich zügiger weiter. Ich glaube, wir haben es geschafft! Laut unserer Reiseliteratur sind Klapperschlangen eigentlich nicht aggressiv, aber auf dem engen Weg, wo wir einander nicht richtig ausweichen konnten, bin ich nicht sicher, ob sie sich eventuell zu sehr bedroht gefüllt hätte. Na ja, wenn sie gebissen hätte, hätten wir wenigstens auf dem Kameradisplay zwecks Antidot-Suche das verursachende Exemplar genau zeigen können.... Später treffen wir ein amerikanisches Pärchen, die kurz vor uns aufgebrochen waren und die die Schlange erst überhaupt nicht gesehen haben und erst durch ihr heftiges Klappern auf sie aufmerksam geworden sind. Als sie nach unten sahen befanden sie sich direkt vor der Schlange, die bei ihnen sogar noch direkt auf dem Weg lag. Wir können den Schrecken der Beiden sehr gut nachempfinden! Am "Pipe Creek Beach" haben wir schon erstaunliche zwei Meilen zurückgelegt und nun biegt der Weg endgültig nach Süden ab und der eigentliche Aufstieg beginnt. Wir werfen einen letzten Blick auf den vorbeirauschenden Colorado. ![]() Der Weg wird nun merklich steiler, wir haben mittlerweile volles Tageslicht. Die Felsen um uns herum spenden jedoch noch willkommenen Schatten. Wie an den Tagen zuvor sehen wir, wie die aufgehende Sonne die Felsenspitzen vor uns in ein schönes goldenes später rötliches Licht taucht. ![]() Sonnenaufgang auf dem Bright Angel Trail Der Weg gewinnt durch einige steilere Kehren rasch an Höhe bevor es mit moderater Steigung entlang eines Felsvorsprungs nach oben weitergeht. Wir erreichen den schmalen Garden Creek. Er ist nicht vergleichbar mit dem Bright Angel Creek, aber wie immer wo Wasser nicht weit ist, zeigt sich eine üppige Vegetation mit Büschen und Gräsern. Wieder sehen wir einige Mule Deer, die dort äsen. ![]() Die Sonne ist aufgegangen und wir werden mit herrlichen Ausblicken in den Canyon belohnt Die ersten Wanderer kommen uns nun entgegen und wir glauben, über uns auch schon das Tonto Plateau zu sehen, so dass es nicht mehr weit ist. Und tatsächlich erreichen wir schon um 7:30 Uhr den Indian Garden Campground. Auf Grund unserer frühen Ankunft haben wir freie Auswahl unter den schönen Campingplätzen. Wir wählen Campground Nummer 9, es ist nicht der schönste Platz hier, aber dichte Bäume versprechen, dass er für den Rest des Tages zumindest eine schattige Oase sein wird. Auch wenn die Luft im Moment noch angenehm temperiert ist und man es sich noch nicht vorstellen kann, dass es bald wieder unerträglich heiß werden wird, so wissen wir doch, dass wir später sehr dankbar für Schatten sein werden. Zumindest verfügen alle Zeltplätze im Indian Garden über eine überdachte Sitzgruppe, so dass auch für weniger durch Bäume und Sträucher bewachsene Plätze in der größten Hitze noch ein minimaler Schatten gewährleistet ist. ![]() Die Zeltplätze im Indian Garden Campground Wir richten den Kocher für ein zweites Frühstück, dieses Mal mit Instant-Cappucino. Kaum rascheln wir mit unseren Tüten statten uns einige Hörnchen neugierig einen Besuch ab. Wir packen schnell alle essbaren Gegenstände in die sicheren Metallkontainer und beobachten wie die Tiere auch unsere auf dem Boden ausgebreitete Ruhestätte inspizieren. Vielleicht haben wir da ja doch etwas zu essen versteckt? ![]() Neugierige kleine "Raubtiere".... ![]() ... da parken wir unsere Rucksäcke lieber in ausreichender Höhe Im Gegensatz zu den Tagen zuvor fühlen wir uns fast nicht angestrengt und könnten nun eigentlich ohne Probleme den weiteren Weg zum South Rim in Angriff nehmen, aber heute nachmittag / abend steht ja noch unsere Wanderung zum Plateau Point an. Der Plateau Point ist einer der schönsten Aussichtspunkte im Grand Canyon. Er ist vom Indian Garden über einen 1,5 Meilen (2,4 Kilometer) langen Weg über das Tonto Plateau erreichbar. Der Sonnenuntergang von dort ist unschlagbar und wir freuen uns schon sehr darauf. Das Tonto Plateau ist nur mit kniehohen Sträuchern bewachsen und gnadenlos der Sonne ausgesetzt, eine Wanderung dorthin in der Mittagszeit nicht zu empfehlen. Wir werden definitiv bis zum spätern Nachmittag warten und nützen die verbleibende Zeit zum Ausruhen und sichten unsere restlichen Essensvorräte. Wir haben weniger gegessen als geplant und so richten wir den Kocher nochmals um einige unserer verbleibenden Fertiggerichte zu vertilgen. Bloß nicht so viel morgen nach oben tragen! Alles was im Magen landet, ist nicht mehr im Gepäck. Also futtern wir was wir können, damit der Rucksack morgen so leicht wie möglich wird. Wir sind nun sehr satt und legen unter den schönen Bäumen auf unserem Zeltplatz eine Ruhepause ein. ![]() Hier im Schatten kann man es gut aushalten.... Später suchen wir uns einen Weg zum kleinen Garden Creek, den wir über einen kleinen Abzweig durch das Gebüsch am Bright Angel Trail südlich des Campingplatzes erreichen. Der Bach ist zwar nur sehr schmal, aber liegt angenehm im Schatten und unsere Beine freuen sich über die Erfrischung. ![]() Der Lizard bekommt keinen Sonnenbrand und genießt die Mittagssonne sichtlich Um 17:00 Uhr richten wir endlich unsere Fotoausrüstung und brechen auf in Richtung Plateau Point. Mit GPS-Empfänger und Stirnlampe sind wir gut ausgerüstet, den Weg auch nach Sonnenuntergang sicher zum Zeltplatz bewältigen zu können. Der Trail biegt kurz hinter dem südlichen Ende des Campingplatzes auf das Tonto Plateau ab und verläuft nun schnurgerade auf die 1,5 Meilen entfernte Abbruchkante zu. Alleine auf dieser weiten Ebene ist ein bizarres Erlebnis, was man nur schwer beschreiben kann! Hinter uns ragt in einiger Entfernung der Südrand auf den wir morgen bezwingen müssen, er sieht sehr steil aus... ![]() Blick zurück vom Plateau Pont auf den Indian Garden Campground (unter den grünen Bäumen in der Senke) und auf den South Rim Am Himmel zeigen sich wie an den Tagen zuvor einige Wolken, denen wir zunächst wenige Beachtung schenken. Nach kurzer Zeit passieren wir den Abzweig zum "Tonto Trail West", der gleichnamige Weg folgt dem Tonto Plateau auf ganzer Länge und ist insgesamt über 95 Meilen (153 km) lang, so gut ausgebaut wie hier ist er aber längst nicht überall. Nun ist es nicht mehr weit zu unserem Ziel! Leider türmen sich mittlerweile am Himmel zahlreiche Wolken und die Sonne ist auch schon fast ganz verschwunden. Wir sind nicht mehr so optimistisch, ob es heute überhaupt einen schönen Sonnenuntergang geben wird. ![]() ![]() Die Aussicht vom Plateau Point ist gigantisch, da lohnt sich die Mühe des Weges Wir erreichen endlich den Plateau Point und knipsen zügig einige Fotos, da der Himmel wird jede Minute düsterer wird. Als wir in der Ferne ein Blitz aufleuchten sehen treten wir sofort eilig den Rückweg an. Auf dem flachen Tonto Plateau werden wir nun für die nächsten 2,4 km weit und breit der höchste Punkt in der Landschaft sein. Keine schöne Vorstellung. Wir geben Fersengeld und legen einen kleinen Dauerlauf ein. Vor uns sehen wir die Bäume von Indian Garden. Leider scheint der Campingplatz trotz unseres Sprintes nicht wirklich näher zu kommen. In der Ferne hören wir Donner, das Gewitter scheint aber noch weiter weg sein - hoffen wir. ![]() Die dunklen Wolken über uns zwingen uns leider zur zügigen Rückkehr (Blick vom Plateau Point Trail in Richtung Plateau Point) Wir freuen uns, als in der Nähe des Campingplatzes rechts neben uns einige höhere Hügel auftauchen. Wir sind nun nicht mehr der höchste Punkt in der Landschaft. Trotzdem gehen wir sehr zügig weiter. Wir sind sehr überrascht, als uns hier einige Wanderer auf dem Weg entgegen kommen. Wir können es nicht glauben, wie man bei diesem unsicherem Wetter sich auf einen dermaßen exponierten Weg machen kann! Na ja, das muß jeder für sich selbst entscheiden. Wir sind zumindest sehr froh, dass wir nun wieder am Campingplatz sind. Das Unwetter zieht schließlich weiter, auch von Regen und Gewitter am Campingplatz bleiben wir also zum Glück verschont. Ein stürmischer Wind ist alles was bleibt, das Zelt unser Nachbarn löst sich aus der Verankerung und weht in die Büsche am Rande des Campingplatzes. Unser Zelt steht noch wie eine Eins, na ja, ist ja auch so klein, dass der Wind keine richtige Angriffsmöglichkeit hat... Durch die vielen dunklen Wolken setzt die Dunkelheit heute deutlich früher ein. Im Scheine der Stirnlampen bereiten wir das letzte verbliebene Fertiggericht auf unserem Kocher zu. Wir sind traurig, dass der Ausflug zum Plateau Point auf den wir uns so sehr gefreut haben, nicht mit dem erhofften Sonnenuntergang endete, sondern mit einem hektischen Dauerlauf. Na ja, wir wollen nicht undankbar sein, zum Glück ist uns ja nichts passiert. Gewitter im Grand Canyon ist definitiv nicht ungefährlich. Zügig verschwinden wir in unserem Zelt, die letzte Nacht in der Enge des Zeltes, hurra! Wir beschließen, das Zelt bei nächster Gelegenheit auszumustern, für den Grand Canyon ist es ungeeignet und ansonsten allenfalls für eine Person erträglich. Niedriges Gewicht und geniales Packmaß ist eben nicht alles. Wie immer ist es sehr heiß im Zelt als wir hineinkriechen, ob es auch heute nacht wohl auch ein wenig abkühlt? Wir hoffen es sehr und stellen noch schnell den Wecker auf 2:00 Uhr, morgen wollen wir auf keinen Fall zu spät losgehen. | |
| Vorheriger Tag Home Nächster Tag | ||