Mittwoch, 05.09.2007


Heute klingelt kein Wecker - herrlich. Wir schaffen es also ohne Wecker gerade noch rechtzeitig kurz vor 9:00 Uhr zum Frühstücksraum in unserem Hotel.  Da unsere geplante Rafting-Tour auf dem Colorado heute erst um 12:30 Uhr startet, haben wir noch viel Zeit.
Wir betreiben kurze Internet-Recherche für unsere weitere Reise und verlassen dann so kurz nach 11:00 Uhr das Hotel (anscheinend viel zu spät für den Zimmerservice, als wir abends wieder zurückkommen, ist unser Zimmer nicht gereinigt worden...)
Auf dem Bummel durch Page (natürlich mit dem Auto, Bürgersteige gibt es nicht) entdecken wir ein weiteres - uns bislang unbekanntes - Kleinod des amerikanischen Lebensstils: Das Drive-In-Lokal. Wir hatten hinter diesem Gelände eigentlich eine Autowaschanlage a la "Car Wash Palace" etc. vermutet, nach näherem Hinsehen entdeckten wir jedoch, dass in den Boxen in den Autos fleißig gefuttert wird. Das müssen wir probieren!

Sonic Drive-In Lokal in Page
Hier wird nicht das Auto gereinigt, nein, es wird der Magen befüllt. Aussteigen unnötig! (Wir sind das 2. Auto von links; man sieht, dass unser Auto von der Größe ganz gut mithalten kann in Page....).

Also fahren wir mutig in eine der wenigen freien Boxen und sichten die seitlich aufgehängte Speisekarte. Das Angebot bewegt sich im üblichen Fast-Food-Bereich. Burger, Eis, Milchshakes etc. Auch einige Salate sind zu finden. Wir bestellen per Sprechanlage einen "Grilled Chicken Salad". Dieser wird uns nach kurzer Wartezeit direkt an das Wagenfenster gebracht wo wir dann auch bezahlen. Danach kann man in Ruhe speisen, von der Sonne durch ein Dach geschützt und natürlich mit Musikberieselung aus überall befestigten Lautsprechern. Das einzige, was wir vermißt haben war eine bequeme Möglichkeit, am Ende des Essens den unvermeitlichen Abfall zu entsorgen, hier wäre ein bequem vom Auto aus zu bedienender Abfalleimer noch eine Verbesserungsmöglichkeit. Tja, kein Wunder, dass einige Amerikaner unter Bewegungsmangel leiden, dass Lokal war auch noch ausgesprochen gut besucht!

Wir fahren gestärkt zum Veranstalter unseres Raftingtrips und erhalten im Büro einen Ablaufplan unseres Ausflugs mit ersten Informationen zum Colorado und dem Rafting. Die Floß-Fahrt beginnt direkt am Glen-Canyon-Staudamm und geht 15 Meilen flußabwärts bis Lees Ferry (hier beginnt dann offiziell der Grand Canyon, der sich dann die folgenden 277 Meilen flußabwärts entlang des Colorado erstreckt).

Route Colorado-River-Rafting
(c) www.raftthecanyon.com

Um an den FlußVom Büro des Veranstalters werden wir mit ca. 30 anderen Touristen in einen Bus zum Glen-Canyon-Dam gebracht. zu gelangen fahren wir mit dem Bus durch einen 2 Meilen langen Versorgungstunnel, der zum Bau des Staudammes in den 1950er Jahren in den Felsen geschlagen wurde. Am Ende des Tunnels kommen wir direkt am Fuße des Staudammes an und besteigen unser Rafting-Boot.

Unser Raftingboot
Unser Rafting-Boot (hier bei einer Pause an einem kleinem Strand im Colorado)

18 Mann kommen auf ein Boot plus ein Führer. Man kann sowohl auf den äußeren Luftschläuchen, als auch im Bootinneren sitzen. Wir sitzten außen, wo sonst? Der Colorado hat das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von ca. 48°F entsprechend 9°C, das Spritzwasser ist auch erstaunlich kalt. Trotzdem ein echter Spaß bei knapp 40°C Lufttemperatur.

Es geht ganz gemütlich los, wir treiben zunächst mit der Strömung mit und man sieht den Glen-Canyon-Staudamm aus einer ganz anderen Perspektive. Der Glen-Canyon-Dam ist einer von vielen Staudämmen im Colorado und wurde 1963 fertig gestellt und staut seither den Lake Powell auf. Im Gegensatz zum Hoover Dam bei Las Vegas existiert neben dem Staudamm noch eine imposante Brücke über die der Highway I-89 verläuft.

Der Glen-Canyon-Damm vom Colorado aus gesehen

Wir fahren durch eine imposante Canyonlandschaft. Rechts und links rotbraune Sandsteine, die zunächst ca. 200m und am Ende unseres Ausfluges ca. 400m  hoch neben uns aufragen.

Die Landschaft vom Colorado aus gesehen

Der Colorado legt bis Lees Ferry nur ein geringes Gefälle zurück, daher gibt es auf unserem heutigen Tag keine Stromschnellen zu überwinden. Schwimmwesten müssen nur die Kinder tragen, d.h. es wird wohl davon ausgegangen, dass wir uns auf dem Boot halten können. Trotzdem fehlender Stromschnellen macht es viel Spaß mit dem Floß über den Colorado zu sprinten, das Boot ist Motorangetrieben und kommt zügig voran.

Raftingausflug

Zwischendurch halten wir an einem kleinen Sandstrand an, hier gibt es im Sandstein der Canyonwände noch über 1000 Jahre alte Felsmalereien von Indianern zu besichtigen. Überhaupt bekommen wir während der gesamten Fahrt viel Infos über Geologie, Pflanzen, Geschichte des Colorado etc. Während der gesamten Fahrt fällt auf, dass der Uferstreifen mit vielen Bäumen und Gräsern bewachsen ist. Auch gibt es viele kleine Sanstrände sowie zahlreiche Campingplätze. Es ist sehr hübsch anzusehen.

Rafting auf dem Colorado

Um ca. 17:00 Uhr erreichen wir Lees Ferry, hier ist die Fahrt dann leider zuende und wir werden mit dem Bus zurück nach Page gebracht. Lees Ferry ist Ausgangspunkt von Raftingtouren durch den Grand Canyon, für die nächsten 277 Meilen gibt es dann rechts und links nur noch steile Canyonwände, ein späterer Einstieg ist nicht mehr möglich.
Joachim ist begeistert, wie schön der Canyon vom Fluß aussieht, ich glaube, wir werden für die Zukunft eine Raftingtour durch den Grand Canyon planen  müssen....

Wir essen mal wieder beim  Denny´s weil der so bequem auf dem Weg liegt, günstig und bewährt gut ist. Im Denny´s spricht man heute abend deutsch, außer dem Personal waren so gut wie alle Gäste deutschsprachig. Liebe USA-Reisende: Solltet Ihr Heimweh haben und nicht mehr nur englisch um Euch herum hören möchtet, wir können den Denny´s in Page empfehlen!

Im Hotel angekommen  haben wir im Internet unsere weitere Reise geplant. Eigentlich wollten wir ja gerne in Page noch einmal den Lake Powell befahren, aber dies ist gar nicht so einfach. Auf eine abendliche Kreuzfahrt mit amerikanischem Dinner können wir verzichten, einen teuren Tagesausflug zur Rainbow-Bridge, einem riesigem Steinbogen mit über 8 Stunden Bootsfahrt dauert uns zu lange und das Leihen eines Motorbootes übersteigt unsere finanziellen Vorstellugen (316 Dollar Mietgebühr plus Steuern, mind. 2 Tankfüllungen a 170 Dollar....irre!!!). Bleibt also noch das Kanu, dies ist finanzierbar, jedoch muß es verpflichtend mit dem eigenen PKW ans Wasser transportiert werden und ohne Leiter bekommen wir beide das Teil auf dem Rückweg nie wieder auf das Dach unseres Durango!

Es ist also die Zeit für einen Ortswechsel gekommen. Wir werden zum Zion Nationalpark weiterfahren. Dort gibt es eine Wanderung zu den "Narrows des Virgin Rivers", die wir schon seit unserem ersten Besuch im Zion Nationalpark  unbedingt einmal machen wollten. Der Zion Nationalpark liegt in der Nähe des Ortes Springdale, Utah, einem kleinen sehr niedlichen Ort mit fast europäischer Atmosphäre, da die üblichen Fast-Food und Hotel- / Motelketten, die jedem amerikanischen Ort ein uniformes Gesicht verleihen, dort fast vollständig fehlen. Bei unserem letzten Besuch ist uns schon aufgefallen, wie teuer die Unterkünfte dort sind. Ein kurzer Check im Internet zeigte uns dann auch heute deutlich das Preisniveau, darüberhinaus hatten die meisten Hotels auch gar keine Zimmer mehr verfügbar! Wir beschlossen, unter diesen Bedingungen auf keinen Fall ohne vorherige Reservierung loszufahren; nicht, dass wir am Abend dann doch noch das letzte Zimmer im Luxusresort für 300 Dollar beziehen müssen!
Nach längerer Suche und einigen Telefonaten haben wir jetzt ein Zimmer im "Best Western Zion Park Inn" zu einem noch bezahlbaren Preis ergattert und freuen uns auf morgen.
Hoffentlich klappt es auch mit dem offerierten Internet, falls nicht gibt es morgen keinen Bericht.

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