Freitag, 07.09.2007

Heute steht die Wanderung zu den "Narrows des Virgin Rivers" im Zion Nationalpark an. Wir sind schon sehr gespannt, was uns da erwartet. Durch den Zion Nationalpark fließt der Virgin River. Dieser verengt sich am Ende des Parkes und wird von hohen Sandsteinwänden eingerahmt. Läuft man im Flußbett einige Meilen flußaufwärts entlang, kann man eine faszinierende Landschaft sehen. Der Canyon verengt sich schnell, so dass man meistens direkt im Flußbett gehen muß. Hierfür haben wir uns am Vortag in einem Sportgeschäft in Springdale mit geeigneter Ausrüstung versorgt, d.h. spezielle Canyoneering-Schuhe, Neoprensocken und einen stabilen Holzwanderstab.

Damit wir rechtzeitig starten, klingelt der Wecker schon um 6:45 Uhr. Wir frühstücken im Lokal unseres Hotels und werden von einer älteren netten Lady direkt zum Buffet geführt, dort bot sie uns eine ausführliche Führung an, so dass wir uns im Folgenden auch nicht mehr auf dem Weg zu den gebratenen Eiern verirrt haben. Was für ein Service.

Den Zion Nationalpark darf man seit 1999 in Teilen im Sommer nur noch mit einem Shuttle-Bus befahren. Wir fahren also zum Visitor-Center und steigen in den Shuttle-Bus ein, der uns ganz ans Ende des Tales bringt. Dies dauert 45 Minuten, aber über Lautsprecher bekommen wir schon erste Informationen über den Park. An der Endhaltestelle angekommen muß zunächst ein 1 Meilen langer Fußweg zurückgelegt werden, dann steht man direkt am Flußufer und kann nur noch durch das Wasser weitergehen. Mittlerweile ist es schon 11:00 Uhr, die ersten Wanderer kommen schon wieder zurück. Ob es ihnen nicht gefallen hat?

Die Zion Narrows
Die Zion Narrows im Anfangsteil

Wir starten und schon nach wenigen Metern merken wir, wie genial unsere geliehenen Schuhe sind: Sie sind sehr stabil und man kann sehr gut im unebenen Flußbett gehen, durch die Neoprensocken sind die Füße auch nicht kalt, schließlich wollen wir es noch einige Stunden im 63°F (17°C) kalten Wasser aushalten! Das Wasser ist trüb, grau-grünlich, man kann nicht auf den Boden sehen und erkennen, wohin man tritt. Man gewöhnt sich aber recht schnell daran, mit dem Stock kann man sich gut stützen und wenn man vor sich hin und her stochert, kann man auch abschätzen, wie tief der Fluß gerade ist. Die Strömmung zwar spürbar, aber nicht stark.

Die Zion Narrows
Blick flußabwärts kurz nach Beginn des Weges zu den Narrows


Am Anfang des Weges sind noch viele Touristen unterwechs, man beobachtet die verschiedensten Techniken: Turnschuhe, Hiking-Sandalen, Flip-Flops, Bergstiefel (unsere Schuhe wären uns hierfür viel zu schade!); unser Favorit ist ein holländisches Pärchen, die sich tapfer barfuß vorankämpfen - Hut ab! Ebenfalls amüsant sind eine Gruppe von Japanern, die mit ihrer offensichtlich wertvollen Kameraausrüstung, die sie ohne Hülle in der Hand halten, durch den Fluß balancieren. Ein paar Mal wären sie fast in den Fluß gefallen. Wir sind da weniger optimistisch, wir haben alles was nicht naß werden darf in einen wasserdichten Sack gepackt, den wir schließlich in den Rucksack steckten. Die Kamera kam in eine ebenfalls wasserdichte Kameratasche, wir wollen schließlich den Rest unserer Reise auch noch fotografieren.

Durchquerung des Virgin Rivers in den Zion Narrows
"Watch your step!" - Manchmal ist der Fluß ganz schön tief!


Wir sind völlig begeistert: Der Weg wird von Kurve zu Kurve interessanter, die Wände rücken immer enger aneinander, der Uferstreifen wird kleiner und veschwindet immer länger ganz.

Die Zion Narrows
Hier sieht man, warum der Weg "The Narrows" heißt

Nach zwei Stunden erreichen wir die Abzweigung zu einem kleinem Seiten-Canyon, dem Orderville-Canyon. Geht man diesen eine halbe Meile flußaufwärts so soll man zu einem malerischen Wasserfall kommen. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und meistern tapfer einige kleine Kletterpartien auf dem Weg.  Die meisten der anderen Touristen kapitulieren und kehren um. Wir fragen ein zurückkehrendes amerikanisches Pärchen, ob es sich lohnt weiterzukraxeln, ja, die Wasserfälle seien sehr schön, nur noch 5 Minuten.

Kraxeln im Orderville Canyon
Mühsamer Weg im Orderville Canyon, Joachim meidet eine tiefe Stelle

Nach einer Viertelstunde erreichen wir einen Miniwasserfall mit relativ wenig Wasser und sind doch ein wenig enttäuscht ob der ganzen Mühe. Ein Foto muß natürlich noch sein!

Veidel Falls im Orderville Canyon
Veidel Falls im Orderville Canyon

Nach der Erkundung des Orderville Canyons gehen wir in den Virgin Narrows weiter flußaufwärts, es beginnt der sogenannte "Wallstreet"-Teil, hier ist der Canyon sehr schmal (weniger als 10 Meter) und die Sandsteinwände über 500m hoch, sehr imposant. Sonne ist hier keine mehr zu sehen, aber da es im Zion Nationalpark i.d. Regel sehr heiß ist, sind die Temperaturen hier gerade richtig.

Die Zion Narrows, Wallstreet-Abschnitt
Wallstreet-Abschnitt der Narrows

Floating Rock im Wallstreet Abschnitt der Zion Narrows
Floating Rock am Beginn des Wallstreet-Abschnittes


Joachim und ich rätseln, wer von uns wohl das erste Mal in den Fluß fällt, um dieses Geheimnis zu lüften, mir ist es passiert. Ich war aber in guter Gesellschaft, wir beobachteten einige unfreiwillige Badeeinlagen. Die Mühe mit den wasserfesten Säcken mußte sich ja schließlich lohnen!

Insgesamt sind wir sieben Stunden unterwechs mit vielen Foto-Pausen. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen und wir hatten sehr, sehr viel Spaß und können jedem diese Tour nur wärmstens empfehlen!

Da die Zeit so verflogen ist, haben wir fast gar nichts von unserem Proviant gegessen und wir beschließen, in Springdale ein schönes Restaurant aufzusuchen. Im Sportgeschäft empfiehlt uns die Verkäuferin bei Rückgabe unserer Ausrüstung "Jesse´s Bar" und wir sitzen sehr schön auf der Veranda und können noch den Sonnenuntergang auf den Sandsteinfelsen bewundern. Ebenfalls klasse sind die Kolibris, für die das Lokal spezielle Futterstellen aufgehängt hat. Für einen Mitteleuropäer, der diese Tiere für gewöhnlich ja nicht in freier Wildbahn erleben kann, ein toller Anblick.

Danach geht es noch einmal in den Whirlpool in unserem Hotel. Unter einem tollen Sternenhimmel gönnen wir unseren Beinen jetzt noch einmal ein anderes Termperaturerlebnis.
Morgen müssen wir unser Auto in Las Vegas tauschen und wollen danach in Richtung Los Angeles / San Diego. California - here we come!




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